"Bei solchen Gedanken kommt mir... der Wunsch, ein anderer, ein Neuer zu werden und Verzeihung dafür
zu erlangen, daß meine Bilder beinah ein Angstschrei sind, wenn sie auch in der bäuerlichen Sonnenblume
die Dankbarkeit symbolisieren." Vincent van Gogh, Brief W20



LANDESMUSEUM MAINZ

"Darin habe ich, im Gegensatz zu dem anderen Bild Ruhe ausdrücken wollen, einen tiefen Frieden. Ich erzähle Dir von diesen Bildern, besonders vom ersten,
um Dich daran zu erinnern, daß man den Eindruck von Angst auch hervorrufen kann, ohne gleich auf den historischen Garten Gethsemane abzuzielen, daß es nicht nötig ist,
wenn man ein tröstendes Motiv geben will, die Persönlichkeiten der Bergpredigt darzustellen." Vincent van Gogh Brief B 21

Das niederländische Stilleben als Sinnbild

Residenzgalerie Salzburg

Als Sinnbild bezeichnet man einen Gegenstand oder eine Pflanze/Frucht, die nicht nur für sich steht,
sondern darüber hinaus etwas Begriffliches ausdrückt.

Bezogen auf ein niederländische Stilleben-Gemälde impliziert dies, dass eine Darstellung auf etwas
im Bild selbst nicht Sichtbares verweist. wie z. B. den
Granatapfel (Punica granatum) der sinnbildlich für die Kirche, die die Menschen im Glauben vereint, gesehen wurde.
Trauben, Wein und Brot standen für das Abendmahl und den Leib Christi

Die abendländische Gesellschaft des 16. und 17. Jahrhunderts in Mitteleuropa war es auch durch den christlichen Kontext gewohnt,
in jedem niederländischen Stillebengemälde einen Sinn, eine religiöse Symbolik vorzufinden
und die Gegenwart Gottes in jedem Detail zu suchen, zu erkennen und zu entchiffrieren.


Kurpfälzisches Museum
der Stadt Heidelberg

Herzog Anton Ulrich-Museum
Kunstmuseum des Landes Niedersachsen
Niedersächsische Landesmuseen Braunschweig


ALTE PINAKOTHEK
MÜNCHEN

Abraham van Beyeren
1620/21 - 1690
Grosses Stilleben mit Hummer

Rembrandt (Rembrandt Harmensz. von Rijn) und Werkstatt
Die Opferung Isaaks
1636
Inv.Nr. 438

Juriaen van Streek
Stilleben mit Mohr und Porzellangefäßen
1632-1687

Die Plazierung der drei Gemälde im Saal IX der Alten Pinakothek in München veranschaulicht die Möglichkeit
der bildenden Kunst, inhaltlich eine religiöse Tradierung anhand einer figürlich-bildlichen, leicht nachvollziehbaren
Handlung umzusetzen oder auf symbolischer Ebene zu vermitteln, wie dies mehrheitlich in den niederländischen Stilleben Tradition war.

Die Vorliebe - chinesisches Porzellan, orientalische Teppiche, Früchte und Tabak aus der Neuen Welt in den Stilleben
zu involvieren, weist darüberhinaus auch auf die wirtschaftlichen Tendenzen einer ersten Globalisierung hin.

Im Gemälde von Juriaen van Streek impliziert bereits der subtile Titel
eine gängige Art der Handelsbeziehungen des 17. Jahrhunderts - die der
Sklaverei.

Eine weitere Besonderheit der holländischen Malerei des Goldenen Zeitalters war das "Portrait historie", das historisierende Bildnis:
Porträtierte werden in die Rolle oder in den Erzähkontext mythologischer oder religiöser Persönlichkeiten gesetzt.